Presse und Konzertkritiken

02.11.2014 I Klavierkonzert
Eleonora Kotlybulat-Palvanova

Tastenzauber! von Werner Langrock, Berlin
Tastenzauber! Schon die Programmgestaltung war überraschend: Chopin vor Bach?
Warum eigentlich nicht. Mit dem Fantasie-Impromptu erreichte die junge Pianistin
Eleonora Kotlybulat-Palvanova schon zu Beginn des Konzertes eine erwartungsvolle, prickelnde Stimmung. Das Werk gehört zu den geschliffensten Kostbarkeiten der virtuosen Klavierliteratur,
wie nur ein Chopin sie zu schaffen fähig war.
Und Frau Kotlybulat-Palvanova gelang es bewundernswert, nicht nur das Glitzernde dieser Komposition zu betonen, sondern auch das Primäre, die Entstehungsursache und ihren Zweck hervorzuheben: die geistig regsame Atmosphäre der damaligen Pariser Salons, denen Chopin
sich verbunden fühlte.
Danach spielte Frau K.-P. Bach´s Präludium und Fuge e-moll, sehr durchdacht und insbesondere bei der Fuge angesichts der Tatsache, dass unsere heutigen Konzertflügel mit den Instrumenten zu Zeiten von Bach nicht vergleichbar sind, mit sparsamsten Pedalgebrauch.

Beethovens Sonate Nr. 2 in A-Dur, Joseph Haydn gewidmet, wurde 1795 uraufgeführt und dürfte "Papa Haydn" gefallen haben. Beethoven hatte zwar von Anfang an seinen Stil, stand aber sogar noch bei den Sinfonien Nr. 1 und 2 unter Haydns Einfluss. Erst mit der 3., der "Eroica", ging er
ganz eigene neue Wege. Eleonora Kotlybulat-Palvanova spielte dieses eigentlich noch als Jugendwerk zu nennende Opus überlegen und mit Wärme, wie mit einer liebevoll-charmanten Verbeugung vor dem späteren Großmeister der Klassik.

Nach der Pause erklang Prokofjew`s Sonate Nr. 4. Also, ohrwurmartig wie in Peter und der Wolf
ist diese Musik wahrlich nicht, sie hinterlässt einen gemischten Eindruck, ist genial in neuen Formen, kämpferisch und doch auch subtil, voller Zweifel und auflehnend. Im übrigen klavier-
technisch sehr schwer. Die Pianistin gestaltete dieses bemerkenswerte Opus mit Ernst und
innerer Teilnahme, eine überzeugende und großartige Interpretation! Es erübrigt sich,
an dieser Stelle zu erwähnen, dass Eleonora K.-P. offenbar keine Schwierigkeiten bei der Bewältigung virtuoser Höhenflüge hat, was auch der weitere Programmablauf belegt.

Franz Liszt, der stets geliebte, abgelehnte, bewunderte und falsch Verstandene. Weltbürger in Musik ! Eleonora K.-P. spielte seine Tarantella e Canzona napoletana, und plötzlich war da
Sonne und Lebensfreude.
Die Tarantella ist ein sehr schneller, rasender Tanz, benannt nach der italienischen Stadt Tarent, zuweilen auch nach der giftigen Spinne Tarantel, deren Biss die Tanzwut hervorrufen, aber auch heilen kann.
Die Pianistin nahm das offensichtlich wörtlich. Was sich da an virtuoser Brillanz abspielte, war unglaublich, die Tarantel war hier aber nicht die bissige Spinne, sondern doch wohl die sonnendurchflutete Stadt in Italien, überschäumend in Glück und Freude und im Mittelteil die Melodie voller Leidenschaft, die sich von anfänglicher Zartheit zu einem Ausbruch südländischer Lebenslust steigert. Sie spielte dieses unglaublich schwere Stück mit spürbarer Hingabe, sie war, so könnte man meinen, gar nicht mehr im Saal. Und dennoch war da eine Gewissheit: Sie spielt
für den Komponisten und für ihre Zuhörer, die wie verzaubert schienen.

Zum Abschluss dieses denkwürdigen Konzertes erklang das Andante spianato e Grande Polonaise von Chopin. Das Andante singend, intim und voller Innigkeit, zum weinen schön. Doch dann die Polonaise mit Kraft, Brillanz und glänzenden Tonketten. Frau K.-P. ist eine herausragende Pianistin ohne Allüren. Die Attraktivität ihrer pianistischen Beredsamkeit lassen ihr die Herzen des Publikums zufliegen.

Ein wenig erschöpft, aber sichtlich beeindruckt vom dankbar und begeistert Beifall spendenden Publikum verabschiedete sich Eleonora Kotlybulat-Palvanova mit einem kurzen Walzer von Chopin. Möge die Zeit, sie wieder zu hören, nicht zu lange sein.

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