Presse und Konzertkritiken

27.04.2014 | Konzert für Klavier und Violoncello
Konstantin Manaev, Ulugbek Palvanov

Konzertkritik von Werner Langrock, Berlin
Das Violoncello, kurz Cello genannt, ist eine Art Chamäleon unter den Musikinstrumenten.
Das mag ein wenig unartig klingen, ist jedoch bewundernd gemeint. Im 16. Jh. aus der Viola entwickelt, war das Instrument bis ins 18. Jh. vorwiegend Generalbassinstrument, dann
Bass- bzw. Tenorstimme. Den reichen, warmen, auch leidenschaftlichen Klang entdeckte so
richtig erst die Romantik und regte Komponisten an, sich dem manchmal als etwas spröde und
nur als Begleitinstrument empfundenen Cello mit Hingabe zu widmen.

Im Goldenen Löwen in Wandlitz stellte das der aus Russland stammende, seit Jahren in Deutschland lebende Meistercellist Konstantin Manaev am 27. April unter Beweis, begleitet
von Ulugbek Palvanov am Flügel.
Das Konzert wurde eingeleitet mit einem Werk von C. P. E. Bach für Violoncello und Streicher,
hier in der Fassung mit Klavier. Auffallend war dabei die Bogenhaltung des Cellisten: die rechte Hand nicht am "Frosch", wie man den Anfang des Bogens bezeichnet, sondern im ersten Drittel
in Richtung Bogenspitze. Das ist ein wenig ungewöhnlich, doch wohl der Entstehungszeit dieses Werkes geschuldet.
Aber mit den Fantasiestücken von R. Schumann war man dann schon in der reinsten Romantik
mit der uns vertrauten Bogenführung, und Konstantin Manaev ließ den Celloton aufblühen in
Wärme und erlebtem Gefühl.
Ulugbek Palvanov begleitete aufmerksam und entlockte dem Flügel innige Klangfarben bis hin zu einem unvergleichlichen pianissimo. Bei dem Nocturne von Tschaikowski konnte man sich fragen, unter welchem Balkon für welches schöne Mädchen diese Kantilenen wohl erklingen.

Im weiteren Programm bestätigte sich sehr deutlich, wie Musik nicht nur mit dem Gehörsinn erlebbar ist, auch die Augen hören offensichtlich mit. Wie sich klagende Melodien, jubelnde und kraftvolle Töne und virtuose "Saitensprünge" im Gesicht des Cellisten widerspiegelten, das war einfach mitreißend. Und der Pianist hätte vermutlich einige Schwierigkeiten gehabt, den sich aus wahrer Begeisterung ergebenden spontanen Freiheiten des Cellisten zu begegnen, wäre es nicht Ulugbek Palvanov gewesen. Dank seiner einfühlsamen, technisch übrigens ebenfalls anspruchs-vollen Begleitung erklangen letztlich auch die grandios-verrückten Werke wie aus dem Moment entstanden. Das macht ihm so schnell kein Pianist nach, und so schwebte ein Hauch von Glückseleigkeit durch den Saal: Musik als der Gesang der Jahrhunderte und Blume der
Geschichte. Und um den Damm begeisteter Musikfreude endgültig zu brechen, erklangen zum Schluss Paganinis Variationen für Cello und Klavier
"auf einer (a)-Saite", ein absolutes Teufelsstück! Mit einem fast schelmischen Gesichtsausdruck versetzte Manaev die Zuhörer in Erstaunen. Paganinis musikalische Engel, die mit
Flageolett-Ketten über die a-Saite huschten, waren dann schon eher schelmenhafte Bengel.
Dass beide Künstler nach diesem Bravourstück ihrerseits in herzerfrischender Laune waren, das war zu spüren. Und das begeisterte Publikum nicht minder.
Ein wundersamer Musiknachmittag im Goldenen Löwen, bei dem die Stimmung abhob,
als wäre man auf einem Trampolin.

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