Presse und Konzertkritiken

28.12.2017 I Klavierkonzert
Eugène Mursky

Märkische Oderzeitung, 30./31.12.2017, von Antje Rößler
Wandlitz. Die B 109 führt durch die scheinbar menschenleeren Straßendörfer und grell
beleuchteten Gewerbegebiete des Speckgürtels. Biegt man in Wandlitz zum alten Dorfkern ab, landet man in einer anderen Welt: mittelalterliche Kirche, Kopfsteinpflaster und der Dorfkrug mit Tanzsaal, der heute die Kulturbühne "Goldener Löwe" beherbergt.
Dort finden seit 2014 die Konzerte der Pianowerke statt.

Künstlerischer Leiter der Klavierreihe, die auch die Märchenvilla in Eberswalde bespielt, ist der usbekische Pianist Ulugbek Palvanov. Er wollte eigentlich am Donnerstag selbst auftreten.
Doch da er sich am Finger verletzt hat, nimmt Eugène Mursky auf der Bühne Platz, ebenfalls Usbeke und Wahlberliner.
Mursky, 1975 in Taschkent geboren, studierte in Moskau beim legendären Klavierpädagogen Lew Naumow. Er hat die harte russische Klavierschule durchlaufen, die Spieltechnik ist entsprechend tadellos. Und sie geht einher mit einem angenehm unprätentiösen Auftreten, dem Verzicht auf Tastenlöwen-Posen.
In Wandlitz stellte Mursky Musik von Franz Liszt und Modest Mussorgski in den Vordergrund.
Mal taumelnd verträumte Passagen, dann wieder huschende Klanggirlanden entlockte er den Walzer-Variationen von Liszts "Soirée de Vienne". Ausreizen durfte der Pianist seine virtuosen Fähigkeiten - von glitzernden Trillern bis zum heftigen Akkordgewitter - in Liszts "Liebestraum Nr.3" und der zwölften Ungarischen Rhapsodie.
Nach der Pause folgte Mussorgskis klanggewaltiger Zyklus "Bilder einer Ausstellung".
Eindringlich und detailverliebt schildert Mursky all die Tonmalereien: den schwungvollen Reigen
der spielenden Kinder, das Küken-Ballett mit den piepsenden Trillern, die dissonant keifenden Marktweiber. Bis schließlich bei Glockengeläut der pompöse Krönungszug durch "Das große Tor von Kiew" schreitet. Da jubeln die rund 150 Besucher.

Einige Verspieler Murskys beeinträchtigen die Aufführung nicht so sehr wie die Beschränkungen des kleinen, resonanzarmen Flügels. Mussorgskis Klangfarbenpracht gibt das Instrument nur unvollkommen wieder. Gleiches gilt für die impressionistischen, dämmrig-zarten Schattierungen
der Zugabe "Clair de lune" von Claude Debussy.
Ungeschickt war es, den Abend mit Mozarts C-Dur-Sonate KV 330 zu beginnen, denn das Mozart-Spiel liegt dem Pianisten offensichtlich nicht. Die Melodien wirkten trocken, zudem verwirrten unplausible Temposchwankungen und einige Fehlgriffe. Zugegeben, der hart klingende Flügel machte die Sache nicht einfacher. Und so hofft man, dass die Veranstalter bald das Spendengeld für einen neuen Konzertflügel beisammen haben. Derzeit suchen sie Tastenpaten.

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