Presse und Konzertkritiken

16.2.2014 I Klavierkonzert
Ulugbek Palvanov

Konzertkritik von Werner Langrock, Berlin
"Pianowerke“ Eröffnungskonzert
Im Saal des Goldenen Löwen in Wandlitz ist am Sonntag, 16. Februar 2014, eine neue
Konzertreihe eröffnet worden, die sich zwar nicht ausschließlich, aber doch besonders der klassisch-romantischen Klaviermusik widmen will.
Den Veranstaltern - Pianowerke - ist nach
dem großartigen ersten Konzert auch für die Zukunft Anerkennung und eine strahlende künstlerische Zukunft zu wünschen.

Zum künstlerischen Leiter ist der aus Usbekistan stammende und mit zahlreichen nationalen
und internationalen Preisen gesegnete Pianist Ulugbek Palvanov berufen worden, dessen Lebensmittelpunkt seit Jahren nun Berlin ist. Er war es also, der beim ersten Konzert den ausverkauften Saal im Goldenen Löwen in den intimen Musiksalon einer vergessen geglaubten
Zeit verwandelte.

Nach einem kurzen Stück von Bach, das man im Hinblick auf die folgenden Werke als Aufwärm-phase bezeichnen könnte, spielte Ulugbek Palvanov die h – moll Sonate von Chopin, im ersten
Satz mit majestätischem Zugriff, im zweiten Satz federnd und das Rhythmische unterstreichend, während der dritte Satz verhalten klang, trotz aller Schwermut keinesfalls süßlich. Als führe der Weg hinab in dunkle Tiefen. Den Schlusssatz gestaltete U.P. atemberaubend mit der sich aufdrängenden Frage nach der Rolle, die die Virtuosität spielt.
Ulugbek Palvanov setzt sich der Gefahr, dass Virtuosität zum rein artistischen Effekt wird,
nicht aus, bei ihm steht die bravoröse Entfaltung nie im Gegensatz zur Tiefe des musikalischen Ausdrucks. Oder anders gesagt: Virtuosität ist das Hilfsmittel für musikalische Erkenntnis.
Leicht selbstironisch sollte man aber anmerken, daß man das Hilfsmittel Virtuosität ja auch beherrschen muss.
Palvanos Chopin-Interpretation war der erste Höhepunkt des Abends. Er spielte die h-moll Sonate mit nahezu entfesselter Wildheit und mit Trotz und Stolz des zu unrecht als sentimental beschriebenen und von blaublütigen Damen verhätschelten Emigranten. Palvanov spielt einen stolzen Chopin. Und es ist bemerkenswert, wie ihm das gelungen ist. Sichtlich erschöpft, doch dankbar strahlend, ging U.P. in die Pause.

Im zweiten Teil des Abends spielte Ulugbek Palvanov eine Fantasie von Mozart, die man schon
als beinahe romantisch bezeichnen kann. Danach dann der zweite Höhepunkt: Tschaikowski`s Nußknacker-Suite in der Klavierbearbeitung des russischen Pianisten und Komponisten Michail Pletnjew. Diese für das Klavier adaptierte orchestrale Ballettmusik ist technich unglaublich schwer. Doch U.P. steht hier gewissermaßen über allen Klaviertasten, er spielt den Nußknacker wörtlich, knackt die schwierigsten Stellen und bleibt auch beim halsbrecherischen Tempo noch Sieger.
Er läßt die Tanztakte funkeln, und man spürt die Freude und Begeisterung, die er in die Tasten zaubert. Hier triumphiert eine ungewöhnliche Virtuosität, die einfach staunen lässt, und, wie nach dem Schlusstakt durchaus zu sehen war, die glückselige Kapitulation des Publikums zur Folge hatte.

Den Mephisto-Walzer Nr. 1 von Franz Liszt als letzten Programmpunkt zu spielen, war gut durchdacht und folgerichtig. Dieses fingerverbiegende Klavierstück des genialen, zu Unrecht
vielfach verkannten, doch noch immer bewunderten Weltreisenden in Musik spielte U.P. atemberaubend virtuos, doch auch trotz aller entfesselten Wildheit wie hingetupft. Die Brillanz,
die das Klavier verströmen kann, legte der Künstler seinen Zuhörern sozusagen in die Ohren,
doch auch ins Gemüt: Im Mittelteil singt der Flügel Gretchens Klage, oder, wenn man will, der Pianist selbst hat Mitleid und versucht auf schwarz-weißen Tasten Trost zu spenden.

Wir sind hier im Goldenen Löwen einem großartigen Pianisten begegnet, der Dank seiner ungewöhnlichen Klavierbegabung die wunderbare Fähigkeit besitzt, die Musik als Stimme unergründlicher Gefühle von Freude und Leid zu vermitteln.
Ein Abend der Klaviermusik, der in Erinnerung bleiben wird.

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