Presse und Konzertkritiken

11.04.2015 I Klavierkonzert
Ulugbek Palvanov
Konzertkritik von Werner Langrock, Berlin


Am 11. April 2015 gab der mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Pianist
Ulugbek Palvanov in der umfangreich restaurierten Märchenvilla aus dem 19. Jahrhundert
ein Klavierkonzer
t in Erinnerung an den 1915 verstorbenen russischen Komponisten Alexander Skrjabin. Als Zeitgenosse Rachmaninows war Skrjabin ein weltberühmter Pianist und wirkte
bis 1904 in Moskau als Klavierlehrer, um sich danach ganz dem Komponieren zu widmen.
Er schrieb u. a. verschiedene Werke für Klavier, so auch Etüden, Préludes und fünf Sonaten. Ulugbek Palvanov spielte die fünfte Sonate in fis-moll, die dem Interpreten neben vorausgesetz-
tem technischen Können auch Einfühlungsvermögen in die gelegentlich gewöhnungsbedürftige Klangwelt abverlangt.

Beethovens Sonate Opus 57, f-moll, auch Appassionata benannt, entwickelte U. P. mit der ihm eigenen Gestaltungskraft zu einer Offenbarung düsterer Tragik. Man erinnert sich an die Worte „Kampf, Zweifel, Hoffnung, Sieg“, und das Allegro man non troppo beginnt dann wie unheilverkündend, woraufhin ein Sturm losbricht, sich zu legen scheint, von neuem anschwillt
und schließlich im Schlusspresto den Höhepunkt findet. Dank seiner überragenden technischen Fähigkeiten kann sich U. P. der von Kopf und Herz geprägten Gestaltung dieser großartigen,
an die Schicksalssinfonie erinnernden Sonate widmen.

Liszts Ballade Nr. 2, h-moll, ist ein Teufelsstück virtuoser Brillianz. Palvanov lässt Doppeloktaven und perlende Läufe über die Tasten rasen, um sekundenschnell in ein Pianissimo umzuschalten, das wie ein Samtkissen wirkt. Bewundernswert sind dabei sein Einfühlungsvermögen, seine perfekte Sicherheit und seine unverkrampfte Art. Bravo, bravissimo!

Die Einmaligkeit des chopinschen Klavierrstils verlangt ein Nachschaffen, das dieser Besonderheit gerecht wird, d. h. die Wiedergabe in unverfälschtem Geist erklingen lässt. Dieser stilgemäßen Auffassung der chopinschen Musik wird U. P. stets gerecht. So auch in dem oft gespielten
Scherzo b-moll, Opus 31. Allerdings, und das ist wohl dem heutigen Zeitgeschmack geschuldet, spielt auch U. P. die entzückende a tempo leggierissimo-Strecke in einem atemberaubenden Tempo, das im Gesamtgefüge des Werkes als ein wenig zu schnell empfunden wird. Doch ist
das Geschmackssache.

Mit Ulugbek Palvanov sind wir einem großartigen Pianisten begegnet, der mit federndem und
brilliant durchdachtem Zugriff schwierigste Klavierliteratur triumphieren lässt. Bei aller Virtuosität spielt er sehr differenziert und phantastisch durchsichtig, die Kantilenen werden in aller Schönheit zelebriert und auch scheinbar Nebensächliches noch hörbar gemacht. Der Faszination seines Klavierspiels kann man sich nicht entziehen, es ist musikalische Glückseligkeit auf schwarz-weißen Tasten.

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